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Thüringer Museum für Elektrotechnik
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B5304 - Die ungewöhnliche Entwicklung eines Messgerätes

Von Stephan Hloucal

Hintergrund

1948 begann im VEB Funkwerk Erfurt die Produktion von elektronischen Messgeräten. Zuvor hatte hier bereits ab 1938 die Telefunken Erfurt GmbH neben Empfängerröhren auch Funkempfangsgeräte für die Wehrmacht hergestellt. Rasch entwickelte sich das Messgerätewerk im Funkwerk Erfurt zum wichtigsten Hersteller von analoger und digitaler Messtechnik in der DDR.

Der Bedarf im In- und (sozialistischen) Ausland war groß. Neben Präzisions - Digitalvoltmetern und Frequenzzählern sollte auch der Bedarf an handlichen Service - Messgeräten gedeckt werden, sodass man sich in der Entwicklungsabteilung nach internationalen Vorbildern umschaute. So entstand Mitte der 1980er Jahre das Service - Multimeter G-1004.500, mit dem Spannung, Strom und Widerstand gemessen werden konnte.

Zentrales Bauelement darin war der komplexe Analog - Digital - Wandlerschaltkreis ICL 7106, von der US-amerikanischen Firma Intersil. Selbstverständlich wurde dieser Schaltkreis von den Erfurter Mikroelektronikern "nachentwickelt" und als U 7106 D produziert, sodass ab 1985 tausende dieser Service-Multimeter reißenden Absatz fanden.

Ab 1986 kam mit dem G-1007.500 eine etwas abgerüstete Variante für den Konsumgüterbereich hinzu.

Die Entstehung des RCL Messgerätes B5304

Doch die Messgeräteentwickler hatten zwischenzeitlich auch ohne Vorgaben der Betriebsleitung eigene Ideen, die in einem etwas kurios anmutenden Labormuster umgesetzt wurden.

Heimlich, hinter dem Rücken der Betriebsleitung, wurde in einem alten Mustergehäuse des G-1007.500 der Prototyp eines RLC - Messgerätes hergestellt und erprobt. Damit war ein handliches, netzunabhängiges Gerät zu schnellen Messung von elektrischen Widerständen, Induktivitäten und Kapazitäten für den Servicebereich entstanden. Aus Spaß nannten es die Entwickler G-0815. Zu einer Produktion kam es jedoch nicht, da dieser Prototyp das Missfallen der Betriebsleitung hervorrief, sodass das RLC-Messgerät schnell wieder in der Entwicklerschublade verschwand.

Nach der Wiedervereinigung der ehemals getrennten Teile Deutschlands, kam es im Kombinat Mikroelektronik Erfurt zu tiefgreifenden Umstrukturierungen. Im Zuge dessen erfolgte die Privatisierung bzw. Abwicklung einzelner Betriebsteile. Das Messgerätewerk versuchte sich ab Sommer 1990 mit neuen verbesserten Messgeräten am Weltmarkt zu positionieren.

Nun wurde die alte "Schubladenentwicklung" überarbeitet und es entstand das RLC - Messgerät B-5304. Hoffnungsvoll wurden Werbeprospekte gedruckt, welche ohne Firmennamen nur mit dem Slogan "Messgeräte aus Erfurt" warben. 1991 startete die Serienproduktion des B5304, die allerdings nach 200 Stück abgebrochen wurde.

Der Messgerätesektor ging mit der Liquidation der MTG Mikroelektronik und Technologie GmbH unter. 1993 wurde damit das für Thüringen industrie - historisch bedeutende Kapitel der elektronischen Messtechnik beendet.

Nachwort

Der frühere Leiter der Entwicklungsabteilung für Zähler im Messgerätewerk Herr Dipl.-Ing. Gisbert Krusche übergab uns den Prototypen des RLC-Messgerätes G-0815, ein B5304 aus der 1. Serienproduktion sowie weitere Unterlagen, damit dieses Messgerät und das Wissen um dessen Entwicklung der Nachwelt erhalten bleiben.

Prototyp des Messgerätes mit scherzhafter Bezeichnung 0815
Der Prototyp des RCL Messgerätes "G-0815".
Serienproduktion des Messgerätes B5304, Ansicht von Vorne
Seriengerät des RCL Messgerätes B5304
Serienproduktion des Messgerätes B5304, Ansicht von Hinten
Rückseite des RCL Messgerätes B5304
Das Deckblatt des Werbeprospektes für das RCL Messgerät B5304
Deckblatt des Werbeprospektes
Die technischen Daten im Werbeprospekt des RCL Messgerätes B5304
Die technischen Daten des B5304 im Werbeprospekt.