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Thüringer Museum für Elektrotechnik
e.V.
Das technisch-kulturelle Erbe Thüringens
Wissen ► Die Jukebox Polyhymat

Polyhymat- Die Jukebox aus Erfurt

Von Ingo Rosenblath

Inhalt

Musikboxen der Görner KG

Jukebox aus Erfurt: Polyhymat 80 A
Audiotechnik
Funkwerk Erfurt / Görner KG
DDR
ca. 1959
Musikbox
Polyhymat 80 A
Eines der ersten gefertigten Exemplare dieses Typs. Senkrechter Abspielmechanismus.

Viele Leser werden sich sicher noch an die in einigen Gaststätten aufgestellten Musikboxen erinnern. Nach Einwurf von 20 Pfennigen konnte man aus 80 Musiktiteln Einen auswählen.

Der Erfurter Unternehmer Julius Görner hat bereits vor 1945 Spiel- und Musikautomaten aufgestellt und betrieben. Anfang der 50er Jahre hatte er in der DDR den Alleinvertrieb und Service für Musikboxen und importierte diese meist aus den USA via Hamburg in die DDR. Für die Wartung dieser Boxen beschäftigte Herr Görner einen Ingenieur und bis zu 5 weitere Mitarbeiter.

Da die amerikanischen Boxen über das gesamte Gebiet der DDR verteilt waren und es immer zu Problemen mit dem Auflegemechanismus kam, hatte er die Idee eine Box zu konstruieren bei der die Platten senkrecht abgespielt werden konnten. Etwa 1959 wurde die erste Musikbox fertig gestellt, ein frühes Exemplar kann im Elektromuseum besichtigt werden.

Senkrechter Abspielmechanismus in einer Jukebox Typ Polyhymat
Senkrechtes Laufwerk einer Musikbox Polyhymat

Produktion im Funkwerk Erfurt

Jukebox aus Erfurt: Ansicht der Typen Polyhymat 80A bis 80C
Ansicht der Typen Polyhymat 80A bis 80C

Die Produktion im Betrieb Görner KG war bereits zu dieser Zeit über private Beziehungen eng mit dem Erfurter Funkwerk verflochten. So wurden Einzelteile für die Box in den Lehrwerkstätten des Funkwerkes gebaut und die Gehäuse entstanden in der Funkwerktischlerei. Da die Kapazitäten in der Firma Görner keine Serienproduktion zuließen, überzeugte Herr Görner die zuständigen Stellen, die Musikbox als Konsumgut im Funkwerk fertigen zu lassen. Im Funkwerk Erfurt wurde die Konstruktion verbessert, so dass die Kabelbäume beispielsweise vorgefertigt werden konnten, es entstand das Modell 80B. Am 14.12.1962 verlies die erste Musikbox das Werk II im Erfurter Funkwerk.

Das Modell 80C bringt kleine konstruktive Verbesserungen, besitzt aber noch das gleiche Gehäuse wie die Vorgängertypen. Da das Modell 80C kein Gütesiegel erhielt, weil u.a. Fremdspannungsabstand und Rumpelgeräusche dies nicht zuließen, wurde der Typ 80D entwickelt. Mit diesem Typ ist man auch vom Design her in den 60er Jahren angekommen. Die Farben weiß, blau und rot beherrschten das Gehäuse, Titelwahl und Steuerteil waren Neukonstruktionen.

Jukebox aus Erfurt: Polyhymat 80 F
Jukebox Polyhymat Modell 80F

Am 12.3.1966 wurde die 1000. Musikbox Polyhymat ausgeliefert. Die Abteilung Musikboxfertigung bestand zu dieser Zeit aus 17 Mitarbeitern. Seit dem Modell 80D war Herr Ritter für die Produktion und Entwicklung zuständig, er begann mit einer völligen Neukonstruktion, dem Modell 80F.

Da das senkrechte Abspielen der Platten immer Probleme bereitete und keine geeigneten Automatik-Plattenspieler in der DDR verfügbar waren, konstruierte er einen völlig neuen Automatikplattenspieler, der für Singleplatten optimiert ist. Im Oktober 1967 war die Entwicklung des Modells 80F abgeschlossen. In einem sehr schlichten Gehäuse befand sich das kreisförmig ausgebildete Plattenmagazin mit jetzt 80 Schallplatten, die waagerecht abgespielt wurden. Die Box hatte jetzt einen Stereoverstärker mit abgesetzten 2-Wege-Lautsprechern. Dieses Modell ist auf Fotos im Archiv des Thüringer Elektromuseums in Erfurt belegt, zu einer Serienfertigung kam es jedoch nicht, obwohl Werksleitung und potentielle Kunden von der Box begeistert waren. Der Grund war der zentrale Beschluss, in Erfurt die Halbleiterproduktion aufzunehmen. Diesem Ziel wurde auch die Musikboxenfertigung geopfert.

Schriftzug Polyhymat am Modell 80A
Schriftzug Polyhymat am Modell 80A aus der Sammlung des Elektromuseums

Insgesamt sind im Funkwerk Erfurt etwa 1500 Musikboxen gefertigt worden. Im Normalfall wurden etwa 10 Boxen im Monat hergestellt, hatte der Betrieb Planrückstände, wurden aber auch mehr Musikboxen gebaut, denn ein Verkaufspreis von 10.000 DDR-Mark je Box besserte die Planzahlen schnell auf.

Große Stückzahlen dürfte es vom Modell 80B und 80D gegeben haben. Bis zum Ende der DDR wurden die aufgestellten Boxen durch Mitarbeiter des Erfurter Funkwerks gewartet. Leider dürften nur noch wenige dieser Geräte existieren.

Vielleicht weiß ja noch jemand, wo eine solche Box steht, unser Verein ist noch auf der Suche nach einem gut erhaltenen Exemplar aus der Funkwerkfertigung.